Nun also steht es endgültig fest: Markus Lanz ist der neue Thomas Gottschalk. Bzw. auch nicht, aber zumindest darf er im Herbst Wetten, dass…? übernehmen. Der Untergang des TV-Abendlandes ist damit erst einmal verschoben, doch die Frage bleibt, ob die Verjüngung die gewünschten Früchte tragen wird. Schaut man sich nämlich in TV- und Kinoland um, könnte man daran durchaus Zweifel bekommen. Hier ein Blick auf 3 gelungene, 3 misslungene und einen sehr seltsamen Verjüngungsversuch der (mehr oder weniger) jüngeren Vergangenheit:
1. Scrubs – Med School
Nachdem die Stammmannschaft von Scrubs am Ende der 8. Staffel auf dem besten Weg war, in den Sonnenuntergang zu entschwinden, folgte in letzter Minute noch ein 13teiliger Versuch, Scrubs zur Marke zu machen und dieses mit einem Spin-Off zu verjüngen.
Über das Ergebnis kann man geteilter Meinung sein, ein Erfolg war der Versuche aber zweifellos nicht, da den Alt-Fans zu häufig die bereits bekannten Figuren fehlten und Neu-Fans gleichzeitig mit zu vielen dieser Figuren konfrontiert wurden. Außerdem hatten die Hauptdarsteller leichte Sympathieprobleme, was den Gesamteindruck auch nicht gerade verbessern konnte. Gesamtprädikat daher: Misslungen.
2. Team Knight Rider
Ja, schon über das Original-Knight-Rider lässt sich streiten, aber eines kann man der Serie nicht absprechen: Ihren bemerkenswerten Erfolg. Während David Hasselhoffs Gesangskünste weltweit nicht ganz so einschlugen wie in einer kurzen Fremdschämphase in Deutschland, waren Knight Rider und später Baywatch Straßenfeger. Entsprechend überrascht es nicht, dass wiederholt Versuche unternommen wurden, das Erfolgskonzept Wunderauto aufzugreifen.
In Team Knight Rider, dem zweiten derartigen Versuch nach dem obskuren Science-Fiction-Film Knight Rider 2000, geschah das unter dem Vorzeichen, jüngere Zuschauer für Knight Rider zu begeistern. Zu diesem Zweck machte man aus einem Wunderauto eine ganze Flotte unterschiedlichster Wunderfahrzeuge, die von einer Gruppe von Quasi-Teenagern gesteuert wurden und sich die meiste Zeit über eher wie Power Ranger gebärdeten. Auch diese Mischung wusste nicht, was sie wollte und fand aus dem gleichen Grund wie später Scrubs kein Publikum: Für Neueinsteiger verlangte sie zu viel Hintergrundwissen, für Altfans bot sie zu wenig Vertrautes. Prädikat: Misslungen.
3. Die Abenteuer des jungen Indiana Jones
Ab 1994 stürzte sich George Lucas in die Arbeit an seinen Krieg-der-Sterne-Prequels, doch um für diese auch die nötige Technologie auf Lager zu haben, gingen zunächst zwei Film- und Fernsehprojekte in Produktion, an denen Lucas neue Produktionsabläufe testen und ILM zeigen konnte, dass die Effektfirma auch mit den anstehenden Extremanforderungen der Prequels zurechtkommen würde. Neben dem Film Radioland Murders – Wahnsinn auf Sendung entstand so auch eine Serie über die Kindheit und Jugend von Indiana Jones.
Und, wie die vorherigen Experimente, glückte auch dieses nur teilweise. Zwar setzte die Serie neue Produktionsstandards im Fernsehen und lieferte grundsätzlich kinotaugliches Material und erstaunliche Trickeffekte, nur wusste die Serie dummerweise nie, was sie eigentlich wollte. Schon ihre Pilotfolge präsentierte den durchaus ansprechenden jugendlichen Indiana Jones in einem Aufwasch mit seinem nur begrenzt überzeugenden Kinder-Pendant, und diese Mischung, die keine Zielgruppe komplett überzeugen konnte, hielt sie drei Staffeln lang durch, wobei sie Woche für Woche fröhlich, aber ziellos durch die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts sprang. Entsprechend wechselten sich Slapstickfolgen, Kriegsrealität in Verdun und Romanzen mit Kinderabenteuern in China, Wien und Ägypten ab, und jeder Versuch, irgendwo einen roten Faden zu finden, war praktisch von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Gesamtprädikat daher: Eher misslungen, wenn auch auf hohem Niveau.
4. Gotham High
Eine Serie, die nie produziert wurde, kann weder gelungen, noch misslungen sein, aber faszinierend ist sie allemal. 2009 griff Warner Bros. eine Idee der Zeichner Jeff Thomas und Celeste Green auf, die einige Jahre zuvor ein Teaserplakat einer Teenie-Serie über die Helden und Schurken aus dem Batman-Universum an das Studio geschickt hatten. Angesichts des Erfolgs von Batman Begins und The Dark Knight wollte man eine solche Serie nun wirklich auf den Weg schicken und beauftragte die Zeichner des Teaserplakats damit, einige Zeichnungen zum allgemeinen Stil der Serie anzufertigen. Weiter als bis hier entwickelte sich die Serie nie, aber eines machen die wenigen Konzeptbilder klar: Gotham High hätte klasse ausgesehen.
So oder so ähnlich hätte die Serie ausgesehen: http://jeffandceleste.blogspot.com/2011/01/gotham-high.html
Und vermutlich jeden Batman-Fan zur Weißglut gebracht. Gesamtprädikat also: Jokermäßig genial daneben.
5. Muppet Babies
1984 erschien mit Die Muppets erobern Manhattan der dritte Muppet-Kinofilm, in dem sich Miss Piggy ausmalte, wie es wohl gewesen wäre, zusammen mit Kermit aufzuwachsen. Aus dieser Phantasiesequenz entstand noch im gleichen Jahr die Trickserie Muppet Babies, in der Baby-Versionen der bekannten Muppetfiguren auftraten und die absonderlichsten Phantasieabenteuer erlebten.
Was inzwischen reichlich altbacken klingt und tausendfach kopiert wurde, unter anderem mit Tiny Toons, Tom & Jerry Kids und Die Dschungelbuch-Kids, war damals tatsächlich noch revolutionäre Erzählkunst, die viermal hintereinander den Emmy für die beste Trickserie des Jahres gewann. Angesichts dieses Preisregens, der sympathischen Muppets, die auch als Babys ihren Charme zu bewahren wussten und der zahllosen wahnwitzigen Parodien von praktisch allen großen Filmreihen der Zeit, kann man diese Verjüngung nur als gelungen bezeichnen.
6. Star Trek
Realistisch gesehen versucht Star Trek seit William Shatners goldenen Zeiten, sich zu verjüngen, auch wenn dieses Ziel in den 80er Jahren etwas aus den Augen geriet. Zwei Verjüngungsversuche sind jedoch besonders bemerkenswert: Die Trickserie von 1973 und die jüngste Star-Trek-Neuauflage von 2009.
Erstere ist vor allem deshalb faszinierend, weil die Originaldarsteller ihren Trickversionen die Stimme liehen und die Serie an sich weit glaubhafter war als die technisch jenseits ihrer Möglichkeiten operierende Originalserie und diese über weite Strecken hinter sich ließ.
Letztere ist als Verjüngung interessant, weil sie nicht nur – wie nur allzu viele Reboots der vergangenen Jahre – auf Quasi-Teenager setzte, sondern in erster Linie, weil die Verjüngung funktionierte. Aus Figuren, von denen man nicht mehr glauben konnte, dass sie jemals cool gewesen waren, wurden neue, frische Charaktere, die als eigenständige Persönlichkeiten funktionierten.
Was immer Hardcore-Fans auch an alternativen Zeitlinien zu bemängeln haben, Otto-Normal-Zuschauer kann sich nur erfreut zeigen. Prädikat: Gelungen.
7. Smallville
Was Gotham High für Batman geworden wäre, ist Smallville für Superman. Glücklicherweise ist der aber von Natur aus der uninteressanteste Superheld überhaupt, dessen Strahlemann-Image einen düstereren Hintergrund dringend nötig hatte.
Genau den liefert Smallville und mischt neue Enthüllungen über einen altbekannten Helden mit dem ganzen Mix aus Teenieserie, Drama, Humor und Cliffhangern, den man sich von einer Serie nur wünschen kann. Das Ergebnis ist erstaunlich. Erstaunlich gelungen.
