Und endlich ist der Tag erreicht, auf den Grand-Prix-Fans das ganze Jahr hinfiebern: In Baku steigt heute – allen politischen Problemen zum Trotz – der 57. Grand Prix d’Eurovision, der wie alle Jahre wieder verspricht, sowohl Schlager-Freunde, als auch Fremdschämbegeisterte und Lästerakkrobaten bestens zu unterhalten. Und auch wenn seine Chancen nicht gerade gut aussehen, sei an dieser Stelle Deutschlandvertreter Roman Lob viel Glück gewünscht! Los geht’s in der ARD um 21 Uhr.
Abseits der Musik zeugt das Abendprogramm von nicht unbedingt einfallsreicher Routine. Für Spielfilminteressierte ist dennoch etwas dabei, vor allem John Woos – hierzulande leider radikal zusammengekürztes – China-Epos Red Cliff (ProSieben, 20:15 Uhr), mit dem sich der Actionmeister von den frustrierenden Erfahrungen seiner Hollywood-Karriere ab- und seinem Heimatland China wieder zuwandte. Das Resultat sind im Original tolle Bilder mit einem Geschichte von monumentaler Pracht und in der zusammengestauchten Deutschlandfassung immerhin noch tolle Bilder. Deren Zusammenhang allerdings nicht immer besonders nachvollziehbar ist. Trotzdem, wer Hero mochte, sollte mal reinschalten.
Ebenfalls sehenswert, wenn auch eher aus zelebriertem Masochismus, ist Kevin Costners Waterworld (Vox, 20:15 Uhr), der auch anderthalb Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung den Ruf, die größte Gurke aller Zeiten zu sein, einfach nicht los wird. Komplett katastrophal ist der Film dabei noch nicht einmal, weshalb nur zu hoffen ist, dass Waterworld in jeder Filmakademie der Welt auf dem Lehrplan steht, als Beinahe-Hit, den es aus der Bahn geworfen hat. Interessanter Gegenwartsbezug des Ganzen: Joss Whedon, der gerade mit seinen Avengers Kassenerfolge einfährt, lieferte Last-Minute-Drehbuchreparaturen und beschrieb seine Zeit beim Dreh später als “sieben Wochen in der Hölle”. Etwas von diesem Höllenfeuer hätte dem Film sicher gut getan.
Der Titel “schlechteste Apokalypse des Abends” geht allerdings trotz Costners Wasserwelt nicht an Vox, sondern an dessen Muttersender. RTL hat nämlich schlicht und ergreifend vor dem Song Contest kapituliert und eine belanglose TV-Katastrophen-Konserve aus dem Archiv gezerrt. Eine Sache ist an Megastorm (20:15 Uhr) dennoch faszinierend: Die Besetzung, denn mit James van der Beek (Dawson’s Creek) und Luke Perry (Beverly Hills, 90210) spielen gleich zwei Teenie-Soap-Geschädigte mit. Und mit Teri Polo Ben Stillers Focker-Frau. Wenn schon Apokalypse, dann also immerhin mit einem Rest von Klasse.
Auf einem noch etwas niedrigeren Niveau bewegt sich heute RTL 2, wo mit Eine Familie zum Knutschen in Manhattan und Highlander 2 gleich zwei jener unsäglichen Fortsetzungen auf dem Programm steht, die angetan sind, einem den Spaß am Original zu verderben. Dass hinterher auch noch Highlander 3 kommt, macht die Sache nicht eben besser (wenn auch zugegeben äußerst konsequent).
Rundherum gemütlich geht es hingegen bei Sat.1 zur Sache, denn hier darf sich Adam Sandler von seiner familienfreundlichsten Seite zeigen. Mit Bedtime Stories gibt es Nettigkeit und Fröhlichkeit bis zum Abwinken, bzw. je nach Abwinkschwelle auch darüber hinaus. Immerhin: Die Kleinen kommen hier voll auf ihre Kosten. Mit Abstrichen lässt sich das Gleiche auch von Eddie Murphys Besuch in der Geistervilla sagen, die im Anschluss ab 22:10 Uhr zu bewundern ist.
Nichts für Kinder ist hingegen das Abendprogramm von ZDF Neo, das – wie schon der ganze Tag – im Zeichen unendlicher Weiten steht. Zum 40. Geburtstag des klassischen Raumschiffs Enterprise hat der sympathische Sender alles auf die Mattscheibe geholt, das verschroben, außerirdisch und sehenswert ist. Mit dabei: Die Neuverfilmung von The 13th Floor, die bei ihrem Kinostart dummerweise den Fehler machte, parallel zu Matrix aufzutauchen, allerdings weit mehr auf Köpfchen, als auf Kung-Fu setzte. Kein Wunder also, dass der Film baden ging, aber wer die Matrix-Grundkonstruktion von Welten im Innern von Welten mochte, die Inszenierung allerdings zu platt fand, sollte unbedingt einmal reinschauen. Und hinterher nicht gleich wieder abschalten, denn ab 21:50 Uhr bekommt ihr auch noch den guten, wenn auch leicht depressiven Sci-Fi-Klassiker Lautlos im Weltraum zu sehen, der 1972 für Umweltschützer inhaltlich und für Filmfans tricktechnisch seiner Zeit um einige Jahre voraus war und nicht zuletzt als Bindeglied zwischen Kubricks 2001 und Lucas’ Krieg der Sterne studierenswert bleibt.
Sollte auch dieser Sternenritt nichts für euch sein, bleiben euch die Standards: Stubbe, Bella Block und das Duo im ZDF, Navy CIS und Justified auf Kabel Eins, Detektiv Conan bei Viva, gesellschaftskritisches Theater und gesellschaftskonforme Musik auf 3sat, technische Fortschritte bei Arte und auf Sport 1 natürlich das dritte EM-Testspiel des Tages, die Partie Niederlande gegen Bulgarien.
Wo ihr auch landet, wir wünschen euch einen tollen Grand-Prix-, Sport-, Spielfilm- und TV-Abend, natürlich mit Couchfunk!
