Fanbegeisterung hat viele Gesichter, und das nicht nur dort, wo sich Fans als Cosplayer in aufregende Kostüme und komplexe Masken hüllen. Auch die Tradition des Fanschnitts, der Erstellung mehr oder weniger origineller, in jedem Fall aber auf spezielle Fanwünsche ausgerichteter alternativer Schnittfassungen, ist populär wie selten zuvor. Was vor etwas über 10 Jahren mit einer alternativen Version von Episode I – Die dunkle Bedrohung begann, die sich primär in der Eliminierung von Jar Jar Binks erschöpfte, hat inzwischen nicht nur andere populäre Megauniversen wie Kampfstern Galactica, Matrix oder Der Herr der Ringe erobert, sondern auch eher herkömmliche Filme wie American History X, No Country for Old Men oder selbst Rendezvous mit Joe Black, auch wenn hier vor allem als redundant empfundene Szenen über die Planke gingen.
Die fruchtbarste Vorlage für Fanversion liefern bis heute die Krieg-der-Sterne-Filme, die unlängst sogar den Schauspieler Topher Grace (Die wilden 70er, Spiderman 3) ans Schnittpult lockten. Anfang März führte er eine 85minütige Version der kompletten „Prequel“-Trilogie vor einem sehr exklusiven Publikum in Hollywood vor und ging dabei mit einer Radikalität zu Werke, die die meisten traditionellen Fanschnitte in den Schatten stellte. In einem Interview erklärte Grace hinterher allerdings, ihm sei es überhaupt nicht um die Erstellung einer alternativen Fassung gegangen, sondern nur darum, als Schauspieler an den Erfahrungen eines Cutters zu wachsen. Das hindert ihn allerdings nicht daran, gleich sein nächstes Wachstumsprojekt anzukündigen: Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art, den er – wie er sagt – temporeicher umschneiden möchte.
Die Gracesche Version der Prequels ist gerüchteweise nicht ganz so lustig wie die der Wilden 70er und eliminierte unter anderem die ohnehin nur schwer erträgliche Liebesgeschichte fast völlig.
Tempo ist auch das große Thema so ziemlich aller Youtube-Trailervarianten, die in den letzten Jahren nicht nur einen Quantitäts-, sondern auch einen Qualitätssprung hinlegen konnten. Nachdem in den ersten Youtube-Jahren vor allem Mega-Trailer in Mode waren, die wenig mehr anstrebten als den größtmöglichen filmübergreifenden Szenen-Overkill, leitete der 300-Trailer ab 2006 eine bis heute nicht völlig abgeebbte Welle von teils absurd komischen Parodien ein, in denen die Tonspur des Originaltrailers mit möglichst unpassenden Bildern unterlegt werden.
So faszinierend diese Ergebnisse aber auch sind, so gewöhnlich wirken sie doch im Vergleich mit dem jüngsten Mockup-Trend, der sich an dem Trailer zu Christopher Nolans Inception orientiert und zahlreiche bemerkenswerte Versionen hervorgebracht hat. Eine der erstaunlichsten ist hier der Inception-Ghostbuster-Trailer, dem es tatsächlich gelang, den Film zum ernsthaften Horrorthriller umzubauen:
Doch auch die entgegengesetzte Variante erfreut sich großer Beliebtheit, wobei die Grenzen des guten Geschmacks hier zweifellos vielfach ignoriert wurden, am krassesten wohl mit der Umwandlung von Schindlers Liste in eine Liebeskomödie. Auch hier gibt es aber mit The Shining auch eine einfach nur genial entschärfte Version:
Selbst diese humorige Version von The Shining ist jedoch noch nicht das eigentliche Meisterwerk der Fanedits und Mockups, denn dieser Titel gebührt ohne jeden Zweifel dem Batman Complex, einer ganzen Serie von Fan-Trailern, in denen Christopher Nolans Batmanfilmen, Christian Bales starker Auftritt in Der Maschinist, Shutter Island und Nolans eigener Mindbuster Inception zu einem wahren Wünsch-Dir-was für innovationswillige Batman-Fans zusammenfließen:
Nur einen Haken hat die Sache leider: So genial die Traileridee auch ist, so unwahrscheinlich ist doch ihre Realisierung im Kino. Gut also, dass wir uns in wenigen Wochen immerhin mit Nolans eigener Batman-Fortsetzung trösten können. Und in einigen Monaten wohl auch mit der Ein-Film-Variante seiner Trilogie als neuem Super-Fan-Edit.
